Neurologische Untersuchung

Bei der neurologischen Untersuchung werden Funktionstüchtigkeit und Leistungsfähigkeit der Nervenbahnen überprüft. Das Nervensystem setzt sich aus dem zentralen Nervensystem in Gehirn und Rückenmark sowie dem peripheren Nervensystem in Hirn, Rückenmark, Rumpf und Gliedmaßen zusammen. Daher ist eine Untersuchung von Kopf bis Fuß notwendig. Insbesondere spielt die Bewegungskoordination sowie die Reflex- und Sensibilitätsprüfung eine wichtige Rolle. Nicht zu unterschätzen ist dabei die intensive Befragung des Patienten über aktuelle körperliche und psychische Beschwerden. Auf diese Weise erhält der Arzt häufig bereits klare Hinweise auf mögliche neurologische Erkrankungen und kann so die grundsätzlich nach einem klaren Schema ablaufende Untersuchung modifizieren. Ziel der Untersuchung ist die Erkennung von Schädigungen im Nervensystem. Erhärtet sich im Rahmen dieser Untersuchung ein solcher Verdacht, so stehen weitere Verfahren wie Hirnstrommessung durch EEG, Computertomografie etc. zur Verfügung.

EEG

EEGEEG ist die Abkürzung für Elektroenzephalografie. Hierbei werden Hirnströme gemessen, indem auf der Kopfhaut spezielle Elektroden angebracht werden, mit denen Spannungsschwankungen erfasst werden können. Elektrische Impulse entstehen bei der Weiterleitung von Signalen zwischen Nervenzellen und Nervenzellgruppen. Eine EEG-Aufzeichnung kann daher Rückschlüsse über die Funktionstüchtigkeit des Hirns liefern. Zu beachten ist allerdings, dass es kein „Standard-EEG“ gibt als Maßstab für intakte Hirnaktivitäten. Vielmehr verfügt jeder Mensch über ein individuelles EEG, weshalb eine solche Auswertung nur von einem erfahrenen Arzt vorgenommen werden kann. Weist das EEG Auffälligkeiten auf, so können krankhafte Veränderungen einzelner Nervenzellgruppen vorliegen. Beispielsweise können Schlaganfälle und Epilepsien zu einem auffälligen EEG führen. Die Untersuchung ist für den Patienten schmerzlos und ungefährlich und dauert etwa 30 Minuten. Währenddessen sollten Aktivitäten wie Reden, Schlucken und Husten vermieden werden, da sie das Kurvenbild erheblich beeinflussen. In der Regel wird der Patient die ganze Zeit über betreut und erhält bestimmte Anweisungen, um ein EEG in verschiedenen psychischen und körperlichen Situationen zu erhalten.

EP

EP ist die Abkürzung für evozierte Potenziale. Darunter versteht man Hirnaktivitäten, die durch einen Sinnesreiz ausgelöst werden. Im Mittelpunkt steht die Messung der Leitfähigkeit der Nervenbahnen zum oder vom Hirn. Bei der Untersuchung werden dem Patienten Elektroden angelegt, um elektrische Impulse bei bestimmten Sinneswahrnehmungen messen zu können Da andere Faktoren zu weitaus größeren EEG-Schwankungen führen, müssen EP-Untersuchungen vielfach wiederholt werden und erst die Mittelwerte der Untersuchungen können brauchbare Aufschlüsse liefern. Werden bei bestimmten Sinneswahrnehmungen Auffälligkeiten in den Hirnströmen festgestellt, so können Nervenerkrankungen vorliegen. Der genaue Ort kann mit dieser Methode bei vielen Krankheiten relativ präzise festgestellt werden.

Visuell evozierte Potentiale (VEP): Es werden die Leitgeschwindigkeiten der Sehnerven gemessen. Der Patient betrachtet ein Fernsehbild in Schachbrettform und die im Hirn anlangenden Potentiale werden mit aufgeklebten Elektroden abgeleitet.

Somatosensibel evozierte Potentiale (SEP): Durch Stromreize an beispielsweise Armen oder Beinen wird die elektrische Nervenleitung einschließlich der Weiterleitung im Rückenmark untersucht.

Akustisch evozierte Potentiale (AEP): hierbei wird das Ohr mit akustischen Reizen beschallt und die Weiterleitung der elektrischen Impulse vom Hörorgan über den Hörnerven bis in den Hirnstamm gemessen.

MEPMagnetevozierte Potentiale (MEP): Durch eine auf den Kopf aufgelegte Magnetspule wird in den Nervenzellen des Gehirns ein Reiz erzeugt, der über das Rückenmark bis in Arme und Beine fortgeleitet wird und dort bei Eintreffen abgeleitet werden kann. Hierdurch wird die Funktionsfähigkeit der motorischen Bahnen im Rückenmark getestet. Durch Stromreizen an den Armen oder Beinen wird die Leitgeschwindigkeit eine generalisierte Schädigung der Nerven oder umschriebene Schädigung durch z.B. Einklemmungen von Nerven rückgeschlossen werden.

EMG

EMG steht für Elektromyografie. Dabei handelt es sich um die Messung elektrischer Muskelaktivitäten. Dazu wird eine sehr feine Nadelelektrode in einen Muskel geführt. Die elektrische Muskelaktivität wird über Kabel an das EMG-Gerät übertragen, welches die Impulse wiederum in optische und akustische Signale umwandelt. Anhand dieser Bilder und Geräusche kann der Arzt erkennen, ob die untersuchten Muskeln oder zuführende Nerven funktionstüchtig sind. Zu beachten sind dabei elektrische Signale unmittelbar nach Nadeleinstich und plötzliche Signale bei entspanntem oder vorsichtig angespanntem Muskel. Auffälligkeiten sind ein Indiz für zahlreiche Muskel- und Nervenerkrankungen und geben auch Aufschluss über die Schwere der Leiden. Die Injektion der Elektrode fühlt sich ähnlich wie bei einer Impfung an. Weitere Schmerzen entstehen normalerweise nicht.

ENG / NLG

NLGBei der Elektroneurographie (ENG) werden elektrische Impulse entlang einer Nervenfaser aufgezeichnet. So kann die normale Funktion der Nerven von einer möglicherweise krankhaften Veränderung unterschieden werden. Mit der NLG (Nervenleitgeschwindigkeit) wird die Funktion der motorischen und sensiblen Nerven exakt gemessen. Beispiele für Veränderungen der Nervenleitgeschwindigkeit sind Nervenentzündungen, Nervenschädigungen, Einklemmungen von Nerven oder Störungen der Verbindungsstelle zwischen Nerv und Muskel. Die Untersuchung erfolgt meist mittels Metallplättchen welche auf die Haut über einen Muskel oder Nerven geklebt werden.

Farbkodierte Duplexsonographie

DuplexsonographieBei der farbkodierten Duplexsonografie geht es um die Untersuchung des Zustands der Gefäßwände. In der Neurologie sind besonders die Schlagadern zum Gehirn von Interesse. Dazu wird eine Ultraschallsonde an den Hals gehalten. Die ausgesendeten Schallwellen werden durch die Bewegung des Blutes teilweise reflektiert und vom Sonografen registriert und ausgewertet. Man macht sich dabei den nach einem österreichischen Physiker benannten Dopplereffekt zunutze. Der Arzt kann auf diese Weise die Geschwindigkeit und die Flussrichtung des Blutstroms, Gefäßverengungen und Gefäßwandveränderungen wie zum Beispiel durch Kalkablagerungen feststellen. Hauptanwendung ist die Abklärung von Hirndurchblutungsstörungen, insbesondere zur Abschätzung eines Schlaganfallrisikos. Der Eingriff ist schmerz- und risikolos, kann ohne großen Aufwand vorgenommen werden und eignet sich deshalb besonders gut für Routineuntersuchungen. Für die Behandlung sollte man etwa eine viertel Stunde einrechnen.

Transkranielle Doppler/Duplexsonographie:
Ähnlich wie die hirnversorgenden Adern im Halsbereich können auch die Adern im Schädel bei gleicher Fragestellung untersucht werden. Auch diese Untersuchung ist schmerzfrei und risikolos.

Apnoe-Screening

Das Apnoe-Screening ist eine Methode zur Untersuchung auf Schlafapnoe. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung in Form von nächtlichen Atemstörungen, meist begleitet von Schnarchen, bis hin zu Atemstillständen, welche zu Tagesmüdigkeit und langfristig zu schweren Folgeerkrankungen führen können. Für die Behandlung wird ein spezielles tragbares Gerät benutzt. Das Gerät wird in der Praxis durch das Praxispersonal angelegt. Der Patient sollte sich dabei möglichst an die vorher vereinbarten Schlafenszeiten halten. Das Messgerät ermittelt dann Kennzahlen wie Atemfrequenz und -pausen, Herzfrequenz und Sauerstoffzufuhr des Bluts, Körperlage während des Schlafs sowie Häufigkeit und Intensität des Schnarchens. Daraus können Hinweise auf schlafbedingte Atemstörungen gewonnen werden, was wiederum eine Grundlage für weitergehende Untersuchungen in einem speziellen Schlaflabor bildet. Eine solche Untersuchung ist besonders empfohlen für Menschen mit nächtlichem Bluthochdruck, starkem Schnarchen, bereits festgestellten nächtlichen Atemstillständen oder hoher Tagesmüdigkeit. Gleichzeitig kann eine Abklärung von periodischen Beinbewegungen im Schlaf (PLMS) erfolgen, die zu einer sonst nicht erklärten Tagesmüdigkeit führen können. Am Folgetag kann mit gleichem Gerät bei der Frage Narkolepsie (plötzliche Schlafattacken) ein Multipler Schlaflatenztest (MSLT) erfolgen.

Labordiagnostik

Viele neurologische Erkrankungen haben Ursachen, die im Blut nachweisbar sind. Aus diesem Grund werden täglich Blutentnahmen durchgeführt, um eine breite Palette an Laboruntersuchungen, zum Teil auch hochspezialisiert, durchführen zu lassen.

LP

LP steht für Lumbalpunktion oder Liquorpunktion. Hierbei handelt es sich um eine Entnahme von Nervenwasser (Liquor) im Lendenwirbelsäulenbereich. Mit dieser Untersuchung können Erkrankungen im zentralen Nervensystem wie Gehirn- und Hirnhautentzündung nachgewiesen werden. Der Eingriff erfolgt im Sitzen mit gekrümmten Rücken zur Vergrößerung des Lendenwirbelabstands. Nach Desinfektion des Einstichbereichs wird eine sehr feine Hohlnadel in den Nervenwasserkanal zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbel eingeführt und es werden bis zu 15 ml Liquor entnommen (tägliche Liquorproduktion beträgt ca. 500 ml). Da das zentrale Nervensystem sehr direkt mit dem Nervenwasser verbunden ist, ermöglicht diese Untersuchung aufschlussreiche Erkenntnisse über Erkrankungen in Hirn und Rückenmark. Bei einer Gehirn- oder Hirnhautentzündung können beispielsweise erhöhte Mengen an weißen Blutkörperchen im Liquor gemessen werden. Die Nervenwasserentnahme ist weitgehend ungefährlich, da sich im Lendenbereich kein Rückenmark mehr befindet und dieses infolgedessen auch keinen Schaden davontragen kann. Allerdings können nach dem Eingriff leichte bis moderate Kopfschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen auftreten. Mit Liegen und Koffeintabletten verschwinden diese Beschwerden aber spätestens nach zwei bis drei Tagen.


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